Eduard-Willis-Stiftung

Unser Namensgeber: Eduard Willis (1935-2011)

Bild Eduard Willis

Nach dem Studium der Psychologie begann Eduard Willis seine Arbeit im Psychiatrischen Landeskrankenhaus Weinsberg (PLK) 1964. Er war zunächst der einzige Psychologe und blieb 33 Jahre, ehe er 1997 in den Ruhestand ging.

Sein großes Anliegen war die Verbesserung der Lebenssituation von psychisch kranken Menschen und deren Rehabilitierung in der ursprünglichen Wortbedeutung: „jemanden (wieder) mit Würde ausstatten“. Im Zuge der Psychiatriereform hat er sich sehr für andere Behandlungsstrukturen und Umgangsweisen eingesetzt und sie mit gestaltet. Den Reformprozess des damaligen PLK Weinsberg hat er verantwortlich begleitet; dafür notwendige Strukturen angeregt, eingerichtet und begleitet. Die interne als auch die externe Arbeitstherapie wurden mit ihm eingeführt und auch von ihm geleitet. Unter seiner Initiative und in Trägerschaft des Weinsberger Hilfsvereins wurde ein Fachdienst etabliert, der sich speziell um die Bedürfnisse von psychisch kranken Menschen kümmerte, die wieder an ihren vorhandenen Arbeitsplatz zurückkehren wollten und dabei Unterstützung benötigten. Inzwischen sind solche Angebote bundesweit etabliert und in den Integrationsfachdiensten integriert.

An der Erarbeitung der Psychiatrieenquête und deren Umsetzung hat er mitgewirkt und sich Ansehen und Respekt auch weit außerhalb der Region erworben. In Gremien auf Landes- und Bundesebene brachte er sich als Vorreiter der Sozialpsychiatrie verantwortlich ein. Dabei übernahm er immer wieder die Rolle des kritischen Mahners, der mitunter unbequem das Tun der Anderen hinterfragte.

In seiner Grundhaltung war er sehr konsequent und hat sich wiederholt als kritischer Mahner geäußert, so z.B. wenn er auf das Problem des Hospitalismus auch in ambulanten Strukturen hinwies: „Hospitalismus beginnt bereits dort, wo sich ein professioneller Helfer zur Übernahme von Verantwortung anbietet.“ So war er auch an der Entwicklung des heute allseits anerkannten „Personenzentrierten Ansatzes“ und des damit verbundenen Instrumentes des „Integrierten Behandlungs- und Rehabilitationsplans“ (IBRP) beteiligt, der diese Problematik aufgreift.

Festgefügte Anschauungen, Moden und Überzeugungen waren ihm eher suspekt, er hat es bevorzugt, Fragen und Probleme pragmatisch anzugehen und ließ sie im Einzelfall lieber als noch offen und nicht abschließend gelöst stehen. Beeindruckend war seine Fähigkeit, sozialpsychiatrische Fachthemen und Zusammenhänge in einfache Worte zu fassen. Dies hat er in vielen Aufsätzen, Vorträgen und bei Lehrtätigkeiten demonstriert.

Sensibel und kritisch war er auch in Bezug auf Entwicklungen, die zwar das Patienteninteresse anführen, letztlich aber durch politische, institutionelle und/oder ökonomische Interessen dominiert werden. Hier wurde er nicht müde, aus seiner Sicht falsche und fragwürdige Entwicklungen zu thematisieren.

1969 war er einer der Gründer des Weinsberger Hilfsvereins, dem er einen Großteil seines Schaffens widmete. Von 1983 – 2007 hat er viele Jahre als Geschäftsführer gewirkt und von der Gründung bis 2009 gehörte er dem Vorstand an.

Die Interessen der Patienten waren Eduard Willis immer ein großes Anliegen. Sicher auch deshalb war er von 1997-2007 Patientenfürsprecher der Region Heilbronn-Franken.